Dudeismus, Dude
FUWUWU by Lity-Ertel (Dude Vinci Image is from Colin Cotterill, www.colincotterill.com)

Warum Dudeismus keine Reform braucht sondern ein WORT

Von Reverend René Lity-Ertel im April/Mai 2016

 

Es gab da mal diesen Hoschi namens Martin Luther. Der hat sich vor 499 Jahren ein paar Gedanken darüber

gemacht, wie die Kirche so funktioniert und das es mal ordentlich im Karton rappeln müsse, damit es anders wird.

Immer kommt jemand der es anders will. Voll nervig und dennoch ist das auch gut so. Nix ist beständiger als der

Wandel.

„Was zur Hölle will der jetzt von mir“, fragt ihr Euch vielleicht. Berechtigte Frage und so ganz weiß ich das ehrlich gesagt auch nicht.

Egal. Weiter.

Martin ist ein guter Aufhänger (im metaphorischen Sinne), weil er doch durch sein rebellisches Verhalten so was wie ein Rockstar unter den Geistlichen ist. Noch dazu trug er nen komischen Hut.

Jedenfalls knallte er mit reichlich Pathos am 31.10.1517 seine 95 Thesen zur Reformation der Kirche ans Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg (so die Legende).

Heute, knapp 500 Jahre später sehen wir, dass in der Kirche noch immer nicht alles optimal läuft, aber Versuch macht kluch und deswegen ist es ja schön, wenn es Dudes wie den Martin gibt. Wir brauchen Rebellen in allen Nischen. Nicht lockerlassen, steter

Tropfen höhlt den Stein und so.

 

Wenn Du jetzt noch wach bist und es bis hierher geschafft hast bedanke ich mich schon mal dafür, dass du mein mühsam zusammengegoogletes Wissen und die Phrasen so tapfer erträgst. Aber es geht noch ein bisschen weiter.

Anders als bei den meisten anderen Religionen ist der Dudeismus ja doch eher entspannt und wir versuchen alle locker durch die Hose zu atmen.

Das macht im Prinzip auch mehr Spaß als sich immer nur an strenge Regeln zu halten, ungemütliche Klamotten zu tragen und Angst davor zu haben in der Hölle zu schmoren, nur weil deine Hände verdammt noch mal einfach nicht über der Bettdecke bleiben wollen.

 

Äh, wo war ich?

Ach ja, Reformen. Wir waren bei Reformen. Also bereits bestehendes sinnvoll umzugestalten, damit‘s noch ein bisschen cooler ist als vorher. Ich habe mich neulich mit meiner wunderbaren Frau, die all meinen Blödsinn so engelsgleich erduldet, eben über

genau dieses Thema kurz unterhalten. Und plötzlich hatte ich da so diese Erleuchtung beim Anblick eines Bildes unseres Dudes. Total schräg.

Ok, man könnte auch sagen ich hatte die Idee etwas zu schreiben womit ich meine ordinierte Priesterschaft rechtfertigen könnte. Klingt weniger dramatisch, ist aber näher an der Realität. Ich schweife nochmal ab, aber es geht dabei um etwas wirklich wesentlich attraktiveres als einen Mann aus den 1500er Jahren.

Nämlich wie bereits erwähnt um meine Frau. Sie ist eine Muse und nicht nur sehr geduldig mit mir, sondern auch sehr kreativ.

Als ich mal nen nicht so gemütlichen Tag hatte entwickelte sie ein geheimes, mystisches Wort, dessen Bedeutung bisher nur sie und ich kennen.

Die Bedeutung selber ist aber so geheim und mystisch, dass ich sie hier beim besten Willen nicht wiedergeben kann.

Andererseits hat DAS WORT einen so entspannten Klang, dass es für den Dudeismus geradezu geschaffen scheint:

Fuwuwu.

 

Ja, ich war auch sofort hin und weg, jetzt kriegt Euch aber bitte nochmal ganz kurz ein.

Es ist bald geschafft und ihr könnt Euch dann wieder elementaren Dingen wie Candy Crush oder was weiß ich zuwenden.

 

Nun, ehrlich gesagt war es mir zu mühsam jetzt alles haarklein selber auseinanderzuklabusteln und 95 Thesen waren mir auch zu viel auf einmal. Es ist weiterhin möglich, dass ihr die eine oder andere These schon mal gehört oder in etwas anderer Form bei Facebook in einem dieser eckigen Bildchen gelesen habt. Selbstverständlich alles rein zufällig – aber schließlich wurde irgendwie ja auch schon mal alles in irgendeiner Form erdacht, nicht wahr? Auch die eckigen Bildchen haben wieder ihren Ursprung in älteren Aufzeichnungen und so weiter bis wir ganz früh bei den Höhlenmenschen landen, die sich zum Diskutieren ihre Gehirne gegenseitig noch mit Keulen massierten.

 

Das total Tolle daran – die Menschen lieben sowas. Nicht das Ding mit den Keulen, Mensch. Die Sprüche!

Deswegen setzt es sich ja schon so ewig lange fort. Und wie in jeder vollen Windel ein Stück nicht zu verleugnender Realität steckt, enthalten auch viele dieser Sprüche ein Quäntchen eines wahren Kerns.

 

Meine bescheidene Meinung, Mann:

die von mir unten aufgeführten und zum Teil sogar selbst erdachten Thesen sind ehrlicherweise nicht das Nonplusultra, schaden aber weder dem Dudeismus noch sonst jemandem. Vielleicht pickt sich der ein oder andere von Euch was raus,

grübelt kurz und denkt: „Ja boah“. Bingo! Zweck erfüllt. Und mehr soll‘s gar nicht sein. Warum dann jetzt diese ewig lange Vorrede? Ich weiß es doch auch nicht.

  

Also, nachdem das jetzt alles gesagt wurde können wir unterm Strich zusammenfassen:

 

Da unten stehen schlaue Sätze…

 

Ach Quatsch – also nochmal: Da stehen Sätze. Mit denen Du was anfangen kannst oder auch nicht. Kannst Du was für Dich rausnehmen ist das total gut und tausch dich ruhig mit anderen darüber aus. Spread the message! sozusagen.

Verinnerlichst Du etwas daraus bringt es Dich möglicherweise der Bedeutung von Fuwuwu näher und das wär ja

echt mal was cooles, meinst Du nicht auch?

 

Vielleicht gewinnst Du auch ganz neue, bahnbrechende Erkenntnisse! Dann teil mir diese HIER mit.

 

Sollte sich widererwartend ein Internettroll durch mein Geschreibsel bis hierher durchgearbeitet haben und über eventuelle Pöbeleien und Frivolitäten nachdenken kann ich Dir versichern, dass ich insbesondere These Nr. 20 recht gut beherzigen kann.

 

Los geht’s. 

 

Schritt 1.)

Mach Dir nen Drink und mach’s Dir bequem.

Schaff' Dir so eine richtig gemütliche Atmosphäre.

 

Schritt 2.)

Vielleicht hast Du noch Räucherstäbchen und ne Kerze.

Eine nicht allzu grelle Deckenlampe tut’s notfalls auch.

 

Schritt 3.)

Schließe die Augen, atme durch. Entspanne.

 

Schritt 4.)

Nimm einen Schluck, zelebriere den Moment,

zelebriere Dich und Dein Dasein.

Genieße es.

 

Schritt 5.)

Wiederhole Schritt 3 – 4 nach eigenem Ermessen.

These 33 kann Dir hierbei eineRichtung geben und These 19 eine sinnvolle Ergänzung bieten.

 

 Und wenn Du dann noch Bock hast liest Du Dir die Thesen auch mal durch. Ansonsten tu es halt später oder gar nicht. Ganz Dein Ding. Aber unter uns:

das bisschen Text frisst doch jetzt auch kein Brot mehr und ich hab oben schon mal ganz raffiniert und tiefenpsychologisch Thesen gestreut ohne sie näher zu benennen.

Pow!

 

Das große

FUWUWU und der Dudeismus

 

01) Verstell Dich nicht um anderer Willen

02) Verstell andere nicht um Deinetwillen

03) Jeder hat nun mal seine Meinung, Mann

04) Aus Gewalt wächst nichts Gutes

05) Wenn es richtig ernst wird, entspann Dich mal

06) Laber nicht rum, fass Dich kurz und sprich Klartext

07) Spiel nicht das Opfer

08) Mach‘s Dir mal so richtig gemütlich

09) …und Deinen Dudes auch

10) Versuch nicht zu bescheißen

11) Maul nicht rum, wenn‘s sich irgendwie vermeiden lässt. Das geht auch freundlicher.

12) Hör auf mit Gegrübel. Vor allem darüber was andere wegen Dir oder über Dich denken könnten.

13) Nutz Deine Mitmenschen nicht aus

14) Spar Dir Geschrei, es bringt nix.

15) Dein Leben, Deine Verantwortung, Mann

16) Lache – auch und vor allem über Dich selbst.

17) Vermeide Hektik, sonst machst Du’s am Ende doppelt.

18) Liebe Dich selber (Du weißt was ich meine, Du Schlingel)

19) Philosophiere bei Wein, Wasser, Tee, Bier, Chai oder wasweißichnoch mit Gleichgesinnten

20) Meide Arschgeigen

21) Atme

22) Wenn Du verkrampfst, sorg besser schnell für Entspannung

23) Höre gute Musik. Höre möglichst keinen Schlager.

24) Sei kreativ. Los, mach einfach mal.

25) Schau Dir „The Big Lebowski“ an. Oft.

26) Hab Respekt vor anderem Leben, Du willst den doch auch.

27) Nicht alles was Du tust muss für andere Sinn ergeben, Dude.

28) Hetero, Homo etc. pp. - völlig Egalo. Wir leben nicht gestern. Eigentlich Überflüssig das hier nochmal zu erwähnen.

29) Keine harten Drogen. Echt nicht. Ernsthaft.

30) Es muss nicht zwingend ein gemütlicher Teppich sein. Hauptsache bequem.

31) Ein Bademantel geht immer.

32) The Dude abides – das kannst Du auch.

33) So lange Du Dir selbst und niemand anderem bewusst/willentlich schadest mach doch einfach was du willst.

34) Es gibt nichts anderes als hier und jetzt. Lass Dir das mal im Hirn zergehen. Bombastisch, oder?

35) Versuche nicht „zu sein wie“, sondern sei einfach.

36) Tu’s ganz oder gar nicht, aber halte dich nicht unnötig damit auf wenn’s Mist ist.

37 ) Die Dinge sind wie sie sind. Mach Dir nicht unnötig was vor. Du ärgerst Dich sonst.

38) Du musst nicht sein wie Du bist, wenigstens das kannst Du ändern. Genial!

39) Gönn Dir was. Und den anderen auch.

40) Iss gut.

41) Schlaf gut.

41.5) So, reicht doch erst mal, meinst Du nicht auch? Es ist gut auch mal zum Ende zu kommen.

41.5.1) Eine Sache noch: Schau in den Spiegel und sage es laut:

 „Ich bin Fuwuwu“*

 

(*mit „ich“ bist natürlich in dem Fall „du“ gemeint).

 

Bis dann.